Offener Brief an Freunde, die sich zu den Querdenkern und Masken/Impfverweigerern zählen

Liebe Freunde,

ich habe eine ganze Weile darüber nachgedacht, ob ich schreiben soll, denn ich vermute, dass das was ich jetzt schreibe unter Umständen hart oder konfrontativ rüberkommen kann. Die Alternative wäre, dass ich mich einfach mal etwas zurückziehe von manchen Leuten, innerlich, aber auch was den aktiven Kontakt angeht. Das schien mir erst eine gute Lösung zu sein, aber irgendwie komme ich zu dem Schluss, dass  Freundschaften auch Ehrlichkeit verdient haben und hoffe, dass unsere Freundschaften das aushalten.

Am 19. Juli ist unsere Freundin Cindy gestorben. Raf ist mit Cindy und Bettina schon seit seinen Teenagerjahren befreundet und zu ähnlichen Zeiten wie wir sind die beiden nach London gezogen wo sie dann wohnten bis sie 2017 zurück nach Cape Town zogen. Wir waren mehrmals zusammen im Urlaub und die beiden zählen zu unseren engsten Freunden. Seit 13 Jahren sind die beiden ein Paar und 2018 haben sie geheiratet. Raf und ich hatten die große Ehre auf ihrer Hochzeit zu predigen und die Trauhandlung zu vollziehen.

Seit Beginn der Covidkrise waren Cindy und Bettina sehr vorsichtig. Vor einem Jahr starb dann Cindy’s Vater und kurz vor Weihnachten ein Cousin, beide an Covid. Und tragischerweise haben sich Cindy und Bettina dann vor einem Monat infiziert. Cindy und Bettina hätten viel dafür gegeben, eine Covidimpfung zu bekommen aber in Südafrika waren zum Zeitpunkt ihrer Infektion gerade die über 50-jährigen die Zielgruppe und selbst für diese Altersgruppe gab es nicht genügend Impfstoff. Das Krankenhauspersonal hat alles getan, was möglich war, um den Krankheitsverlauf zu bewältigen aber Cindy’s Lungen waren leider nicht stark genug. Und so starb Cindy nun mit nur 42 Jahren.

Cindy war eine wunderbare, großherzige, hilfsbereite Frau und Freundin und ist wirklich vielen Menschen zum Segen geworden, individuell aber auch als Paar mit Bettina. Raf und ich sind unglaublich traurig über ihren Tod und wie es Bettina in dieser Situation wirklich geht, kann man nur erahnen. Bis vor kurzem war sie selber noch  im Krankenhaus und ist nach wie vor schwach und ihre Genesung wird sicherlich noch Wochen, wenn nicht Monate dauern.

Was mich selber angeht habe ich gemerkt, dass ihr Tod nicht nur Gefühle der Trauer und des Verlusts in mir hervorgerufen hat, sondern auch Gefühle der Wut. Wut auf Querdenker, Maskenverweigerer, Verschwörungstheoritiker, Impfgegner, Lächerlichmacher, Covidverneiner, Demonstranten gegen Covidmaßnahmen und auf die Menschen, die immer noch behaupten, es wäre ja eigentlich nur wie eine Grippe.

Ich will jetzt wirklich nicht irgendjemanden in eine dieser Kategorien schieben und weiß ehrlich gesagt auch gar nicht, wer von meinen Freunden sich da vielleicht selber in einer dieser Gruppen positionieren würde. Ich respektiere auch jeden, der aus medizinischen Gründen Masken nicht tragen oder eine Impfung nicht bekommen kann. Ich will aber einfach hiermit sagen, dass ich gerade nicht mehr die Kraft habe, direkt auf Menschen zuzugehen, die aktiven oder passiven Widerstand gegen Covidbekämpfungsmaßnahmen betreiben.

Nein, Querdenker, Maskenverweigerer Verschwörungsteheoritiker und dergleichen sind nicht direkt schuld an Cindy’s Tod. Das will ich wirklich nicht behaupten. Aber das Verbreiten von derartigem Gedankengut und Meinungen und das aktive Nichtbeachten von Maßnahmen haben einen Einfluss auf das mögliche Eindämmen oder auch Ausbreiten dieser tödlichen Krankheit.

Ich persönlich habe in meinem ganzen Leben noch nie jemanden getroffen, der an einer Grippe gestorben ist. Aber tragischerweise ist Cindy’s Tod nicht der erste Covidtod von mir nahestehenden Menschen. Und ja, ich glaube, dass ein anderer Umgang mit dieser Pandemie auf globaler Ebene aber auch in den kleinen und großen Handlungen von vielen, vielen einzelnen Menschen, ihren Tod und den von vielen anderen Menschen verhindern hätte können.

Ich will hier wirklich keine Brücken niederreißen aber ich will auch ehrlich sein.

Wenn Menschen weiterhin daran gelegen ist, diese Pandemie ernstzunehmen und zu bekämpfen, es da aber ab und zu Zweifel an den besten Methoden gibt, ist das total OK. Die habe ich auch und selbst die kompetentesten Forscher hinterfragen andauernd das woher und wohin und die besten nächsten Schritte und manchmal muss man auch Dinge revidieren und neuen Forschungsergebnissen anpassen. Dinge zu hinterfragen und auch anderer Meinung sein zu dürfen als Politiker oder andere Entscheidungsträger ist völlig OK. Nachdem jetzt aber mehr als 1,2 Milliarden Menschen vollständig geimpft wurden, wird das Ungleichgewicht zwischen Vorteilen und Risiken immer klarer.

Für Menschen, die bei Maskenpflicht oder Abstandsregeln von “Verfolgung” oder “unerträglichem Einschränken ihrer persönlichen Freiheiten” schreien oder die womöglich noch mit Argumenten kommen, dass Bill Gates uns heimlich Mikrochips implantiert oder, noch verletzender, dass Cindy oder andere Menschen vielleicht gar nicht wirklich an Covid gestorben sind, habe ich gerade wirklich nicht die Energie und das Verständnis. Ich glaube, in so einem Fall ist es besser, erstmal ein bisschen Abstand zu haben.

Ich hoffe, ihr kommt mit dem Geschriebenen klar. Es ist und war nicht meine Absicht jemanden zu verletzen oder jemandem Vorwürfe zu machen. Ich wollte euch gegenüber einfach ehrlich sein und euch an meinen momentanen Gefühlen teilhaben lassen. Ich habe kein Interesse zu polarisieren aber ich merke, dass es mir gerade einfach nicht gut tut, mich auf persönlicher Ebene mit Vertretern der obengenannten Gruppen auseinanderzusetzen. Jeder aktive oder passive Widerstand gegen Covid Bekämpfungsmaßnahmen ist für mich wie ein Schlag ins Gesicht and… und schlimmer noch, ein Schlag in Bettina’s Gesicht, die jetzt ohne ihre Frau und Seelenverwandte weiterleben muss.

Ohne Frage ist dieses Empfinden von Wut auch eine (normale) Reaktion und mein persönlicher Umgang mit dem Verlust eines engen und geliebten Menschen. Zu anderen Zeiten habe ich vielleicht auch wieder die Kraft mich an dem, was die Menschheit verbindet und eint zu freuen und unterschiedliche Ansichten als bereichernd zu empfinden. Im Moment schaff ich das noch nicht.

Ihr wisst besser als ich, was eure Haltung und Gedanken zu Covid und den Maßnahmen sind und inwiefern ihr euch selber zu einer der obengenannten Gruppen zählt. Von daher überlasse ich es euch jeweils selber wie ihr mit dem Brief umgeht.

Ich wünsche euch und der ganzen Welt Gesundheit, Hoffnung und Solidarität.

Grace and Peace

Damaris

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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